Famulatur Allgemeinchirurgie in Klinikum am Steinenberg (7/2023 bis 8/2023)

Krankenhaus
Klinikum am Steinenberg
Stadt
Reutlingen
Station(en)
M24, OP, Ambulanz
Fachrichtung
Allgemeinchirurgie
Zeitraum
7/2023 bis 8/2023
Einsatzbereiche
OP, Station, Notaufnahme
Heimatuni
Wien (Oesterreich)
Kommentar
Ablauf auf Station:
Ich bin am Anfang jeden morgen um 7:15 Uhr zur Morgenvisite mitgegangen, die vor der 8-Uhr-Morgenbesprechung stattfindet. Leider ist man nur von Zimmer zu Zimmer gehetzt, um möglichst viele Patienten vor der Morgenbesprechung abzuarbeiten, wobei dadurch natürlich keine Zeit für irgendwelche Erklärungen waren (à la: zweiter Tag postop., Bauch weich, keine Antibiose mehr und nächster Patient...). Gerade zu Beginn wusste ich meist nicht mal, weswegen die Patienten operiert wurden oder auf welche Besonderheiten man nach bestimmten OPs achten sollte. Da während der Visite absolut keine Zeit für irgendwelche Fragen waren, empfand ich die Visite als Student meist recht unnötig. Außerdem sollte man, immer wenn kein PJ'ler da war, während der Visite die Blutabnahmen der Adipositaschirurgie Patienten abnehmen, da diese möglichst noch vor der Morgenbesprechung ins Labor geschickt werden sollten. Daher bekam man an diesen Tagen noch weniger von der Visite mit. Insgesamt wurde von ärztlicher Seite auf Station nicht wirklich viel gelehrt. Man musste viel Eigeninitiative zeigen, wenn man was lernen wollte, z.B. habe ich jeden Tag gefragt, ob ich zu den Sonos mitgehen darf. Wenn was erklärt wurde oder drangedacht wurde, dass Studenten da sind, waren alle immer sehr nett und bemüht. Ich hatte oft das Gefühlt, dass sie einfach "vergessen", dass Famulanten da sind, die z.B. auch sowas wie das Legen einer banalen Magensonde spannend finden könnten.

Ganz anders sieht das auf Seiten der Pflege aus. Da auf Station eine examinierte Wundexpertin (Judith Waller) arbeitet und uns empfohlen wurde bei ihr mit zu laufen, habe ich dies ab Tag eins gemacht. Ich konnte extrem viel von Judith lernen, die einem alles rund um die Wundversorgung erklärte und die man bei sämtlichen Verbandswechseln unterstützen durfte. Ohne Judith wäre meine Famulatur nicht annähernd so lehrreich gewesen! Sie hat sich jeden Tag super viel Zeit genommen, einem alles zu erklären. Ab dem zweiten Tag durfe ich bei jeder Wundversorgung selbst mithelfen und am Ende viele Patienten auch eigenständig versorgen. Meine Famulatur war vor allem deshalb wirklich lehrreich!

Ablauf im OP:
Im OP war es sehr abhängig vom Oberarzt, ob das Klima nett, freundlich und lehrreich war oder ob man zusammengeschissen wurde. Insgesamt gab es aber nur einen einzigen Oberarzt, der jeden zur Sau gemacht hat, egal ob Student, OTA oder Anästhesist. Ansonsten war aber das Klima entspannt und man wurde als Student wertgeschätzt. Besonders lehrreich waren die OPs mit OA Dr. Jeroushek, da er immer sehr viel erklärt hat und die Atmosphere super locker und witzig war. So durfte ich bei großen medianen Längslaparotomien mehrfach danach zunähen oder tackern. Auch bei sekundären Wundverschlüssen nach VAC-Entfernung konnte man seine Nähfertigkeiten gut verbessern, da diese meist mittels Rückstichnaht nach Donati zugenäht werden und es sich meist um lange Wundstrecken handelt. Im Allgemeinen konnte man immer in den OP gehen und dort bei verschiedenen OPs zusehen, auch wenn man nicht als Assistenz eingeteilt war.

Organisation:
Besser organisiert kann eine Famulatur nicht sein! Ich habe bereits am Donnerstag vor Famulaturbeginn meinen Schlüssel, meine Kleidung und sogar einen eigenen Spind erhalten. Frau Kurz, die Sekretärin, zeigte mir zudem die Station und hat mich im Zuge dessen auch direkt den Ärzten und der Pflege vorgestellt, sodass der Famulaturstart am Montag sehr entspannt war. Positiv war auch, dass ich sogar ein eigenes Famulantentelefon erhalten habe, wobei sich darüber meist nur die PJ'ler gemeldet haben :D

Pro:
- Wundversorgung auf höchstem Niveau, da eine Wundexpertin auf Station arbeitet, die einem sehr viel erklärt!
- Nähfertigkeiten verschiedener Nahttechniken können gut verbessert werden
- OP-Atmosphere meistens angenehm
- früher gehen an vielen Tagen möglich, da es nachmittags oft nichts mehr zutun gab
- die meisten Oberärzte und Assistenzärzte sind nett (mit einer Ausnahme!)
- sehr gute Organisation durch Fr. Kurz

Kontra:
- kaum Lehre während der Morgenvisite und Morgenbesprechung
- auf Station gibt es von ärztlicher Seite wenig Lehre bzw. muss diese ständig eingefordert werden
- PJ-Unterricht ist jede Woche ausgefallen
- z.T. ist viel Eigeninitiative gefordert

Insgesamt:
Allgemein hat mir die Famulatur gut gefallen. Aber vor allem wegen Judith, durch die man extrem viel in der Wundversorgung von Patienten lernen konnte. Ansonsten hätte ich mir mehr ärztliche Lehre auf Station gewünscht, sodass auch mal besprochen wird, weswegen bestimmte Untersuchungen/Behandlungen durchgeführt werden. Die OP-Assistenz empfand ich meist als lehrreich.
Bewerbung
4 Monate vorher über Sekretariat (Fr. Kurz) -> sehr gut organisiert!
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Mitoperieren
Botengänge (Nichtärztl.)
Chirurgische Wundversorgung
Praktische Maßnahmen unter Aufsicht
Notaufnahme
Röntgenbesprechung
Braunülen legen
Blut abnehmen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich

Noten

Stimmung Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen
1
Stimmung Klinik
1
Unterricht
3
Betreuung
2
Freizeit
1
Lehre auf Station
2
Insgesamt
2

Durchschnitt 1.67